Acrylic Pouring – Techniken

Die Techniken im Acrylic Pouring sind zahlreich. Viele sind auch nur abgewandelte Formen und Anpassungen aus ursprünglichen Techniken die mit neuen Hilfsmitteln zu neuen Ergebnissen führen. Die Grundtechniken möchte ich dir hier vorstellen.

Im ersten Teil konzentriere ich mich auf die Methoden, welche sich mit verschiedenen Varianten des Ausgiessens der Farbe beschäftigen. Im nächsten Abschnitt geht es dann um die weitere Verarbeitung der Farbe auf dem Malgrund. So siehst du gleich verschiedene Kombinationsmöglichkeiten. Natürlich kannst du auch für ein Bild mehrere Techniken verwenden und einfach mal ausprobieren wie die Farbe läuft.

Da die amerikanischen Namensnennungen auch hier gebräuchlich sind, werde ich diese auch nutzen. Ich erwähne aber auch noch eine deutsche Variante welche das Verständnis der Technik erleichtern soll.

Acrylic Pouring – Giesstechniken

Bereits für das Aufbringen der Farbe auf deinen Malgrund hast du verschiedene Möglichkeiten. Die Grundtechniken möchte ich dir hier vorstellen.

Simple Pour – Giessen

Bei der einfachsten Grundtechnik, geht es nur darum verschiedene Farben einzeln auf den Malgrund zu giessen. Hierbei kannst du beispielsweise eine geometrische Anordnung verfolgen oder die Farben auch querfeldein übereinander giessen.

Puddle Pour – Pfützen Technik

Beim Puddle Pour geht es darum nacheinander einzelne Farben wie eine Pfütze aufeinander aufzugiessen: Farbe1 aufgiessen, dann kommt Farbe2 auf Farbe1, Farbe3 auf Farbe2 und so weiter. Die Reihenfolge der Farben bleibt dabei dir überlassen. Möglich ist hier eine grosse Pfütze oder auch mehrere verteilt auf dem gesamten Malgrund.

Dirty Pour

Der Dirty Pour bietet für viele weitere Techniken eine gute Grundlage. Hierbei werden alle Farben nacheinander in ein und denselben Becher geschüttet. Beachte hierbei dass die Farben welche du zuerst hineinschüttest als letztes ausgegossen werden und umgekehrt.

Wie die Farben schliesslich miteinander im Becher vermischt sind, kannst du durch das Einfüllen in den Becher etwas beeinflussen. Giesst du die Farben beispielsweise ganz langsam an der Seite entlang werden sie sich eher schön sanft aufeinander schichten und weniger stark mischen. Lässt du die Farben dagegen von hoch oben in den Becher hinabfallen, wird diese Farbe durch alle hindurch gehen und sich auch entsprechend stärker mischen. Sollen sich die Farben mehr vermischen, kannst du am Ende auch kurz mit einem Stab hindurchgehen, um etwas Bewegung hineinzubringen. Zu bedenken ist auch, dass nicht alle Farben gleich dicht sind, das heisst die einen sinken stärker nach unten als andere. So wird beispielsweise Weiss jeweils die Tendenz haben nach unten zu sinken.

Für den nun vorbereiteten Dirty Pour gibt es verschiedene Verwendungsarten. Die einfachste ist den Becher einfach auf die Maloberfläche auszugiessen.

Flip Cup – Becher stürzen

Als Vorbereitung für den Flip Cup wird ein Dirty Cup benötigt.

Der Malgrund wird wie ein Deckel auf den Becher gelegt um danach beide zusammen umzustülpen, so dass der Becher verkehrt auf der Leinwand sitzt. Hierbei können auch gut mehrere Becher verwendet werden, um beispielsweise eine grössere Leinwand abzudecken oder verschiedene Farbgruppen zu erzeugen. Nach dem Umstülpen des Bechers auf die Leinwand ist es sinnvoll die Farbe etwas setzen zu lassen, so dass die Farbe im Becher nach unten laufen kann. Dann den Becher vom Malgrund abheben und die Farbe breitet sich aus.

Swirl – Wirbeltechnik

Als Grundlage für den Swirl bietet sich ein Dirty Cup an. Sinnvoll beim vorbereiten des Bechers ist hierbei die Farben nicht zu stark miteinander zu vermischen, da später beim Ausgiessen verschieden farbige Ringe entstehen sollen. Um die Ringe des Wirbels zu erschaffen musst du den Becher ganz langsam in leicht kreisenden Bewegungen ausgiessen. Dadurch breiten sich die Ringe durch die Farbmasse vom Zentrum immer weiter nach Aussen aus. Damit die Farbe sich besser verteilt, ist es hilfreich als Grundlage die Maloberfläche erst mit einer Farbe einzugiessen. Eine Kontrastfarbe wie weiss kann hierbei schöne Effekte wie Zellbildung entstehen lassen.

Wenn du den ganzen Becher in der Swirl Technik vom gleichen Zentrum ausgiesst, bekommst du eine Struktur ähnlich der von Baumringen, deshalb nennt man dies auch Tree Ring. Alternativ kannst du den Swirl jedoch auch in beliebiger Bewegung über den Malgrund ausgiessen und so einen sich bewegenden Strudel erzeugen.

Drag – Ziehtechnik

Die Grundlage der Drag Technik bildet ein Dirty Cup. Hierbei wird nur ein kleiner Becher vorbereitet, der nur einen Teil der Maloberfläche abdeckt. Der Becher wird wie beim Flip Cup gestürzt um anschliessend rundherum mit einer Kontrastfarbe wie weiss oder schwarz die restliche Fläche zu umgiessen. Der Dirty Cup wird nun ganz leicht angehoben so dass etwas Farbe rausfliessen kann, jedoch nicht der ganze Becher geleert wird und weiter Kontakt mit der Oberfläche besteht. Mit diesem Kontakt führst du den Becher nun vorsichtig über die Oberfläche und lässt eine Farbstrasse zurück. Hierbei kannst du ganz kontrolliert den Weg vorgeben der die Farbe einnehmen soll. Je schmaler der Becher ist, desto feiner wird diese Farbstrasse.

Giessen über Gegenstände

Einzigartige Effekte kannst du erzeugen indem du deinen vorbereiteten Becher über beliebige Gegenstände ausgiesst. Mögliche Objekte sind beispielsweise der Boden einer Flasche, womit du ein blumenartiges Muster erhältst, oder ein Sieb, welches dir durch die vielen kleinen Löcher eine einzigartige Durchmischung der Farben erzeugt. Probiere einfach mal aus.

Für diese Technik kannst du auch wieder einen Dirty Cup verwenden oder auch die Farben einzeln nacheinander über den Gegenstand giessen.

String – Fadentechnik

Die Fadentechnik gehört in den übergeordneten Bereich des Fluid Paintings und nicht des Pouring, da hier im eigentlichen Sinne die Farbe nicht gegossen wird. Für diese Technik benötigst du ein Garn oder eine Kordel welche du mit beliebigen Farben einfärbst. Hierzu kannst du die Farben auf einem Plastik ausgiessen und die Kordel hineinlegen, die Farbe mit einem Spachtel auftragen oder auch die Kordel in einen Becher geben und darüber einen Dirty Cup giessen.

Als Grundlage für die Fäden giesst du die Maloberfläche in einer Farbe deiner Wahl ein. Eine Kontrastfarbe wie weiss bietet sich hier an. Die Fäden kannst du nun beliebig auf deinem Untergrund auslegen und an einem Ende über die Oberfläche aus dem Bild hinausziehen. So wird die Farbe der Kordel durch Grundfarbe hindurchgezogen und vermischt sich. Je nach Auslegung und Rausziehen der Kordeln entstehen verschiedene Muster.

Acrylic Pouring Verarbeitungstechniken

Tilt – neigen

Die simpelste und wohl verbreitetste Möglichkeit die gegossene Farbe auf der Maloberfläche zu verteilen ist das Neigen. Hierbei musst du lediglich deinen Malgrund neigen um die Farbe auszudehnen. Die Idee dabei ist, die Farbe soweit auseinander zu ziehen, dass untere Farbschichten durch die oberen gestretchten Schichten sichtbar werden sowie auch die ganze Fläche mit Farbe abzudecken. Damit du nicht gleich anfänglich schöne Strukturen durch das Neigen verlierst, macht es Sinn zu Beginn den Untergrund bereits in einer Grundfarbe einzugiessen. Dies hilft der Farbe besser zu laufen und es muss auch weniger allenfalls gewünschten Partien abgegossen werden um alles abzudecken. Achte beim Neigen darauf dies langsam zu tun, damit die Farbe Zeit bekommt sich zu bewegen und sich nicht gleich selbst überrollt. Damit deine Muster besser erhalten bleiben, kann es hilfreich sein nach dem Neigen in die eine Ecke, die Farbe erst wieder zurück in die Mitte fliessen zu lassen. Erst wenn der Schwerpunkt der Farbe das Zentrum erreicht hat, mit dem Neigen in eine neue Richtung beginnen.

Swipe – Wischtechnik

Mit dem Swipe wird eine Netzstruktur erzeugt mit dem Ziel möglichst viele Zellen sichtbar zu machen. Als Farbe für dieses Netz wird oft Weiss gewählt, da die Effekte damit am einfachsten zu erzielen sind, aufgrund der Dichte der weissen Farbe. Grundsätzlich kannst du aber jede beliebige Farbe dafür verwenden und einfach mal ausprobieren.

Für den Swipe benötigst du als Erstes einen beliebigen Untergrund. Diesen kannst du nach einer bestimmten Technik wie etwa mit dem Dirty Pour oder einfach frei mit ein paar Farben begiessen.

Ist die Basis gegossen, wird die Swipefarbe oder Deckfarbe an einer Seite grosszügig hingegossen. Mit einem flachen Hilfsmittel wird die Deckfarbe ganz vorsichtig über die Basisfarben gezogen. Wichtig dabei ist, nur so viel Druck auszuüben um die Deckfarbe über die Basisfarben hinüber zu schieben, jedoch nicht so stark um auch die Basisfarben mitzunehmen.

Da die Standardwischtechnik von einer Seite ausgeht, ist es völlig normal, dass auf dieser Seite die Deckfarbe Überhand nimmt und auf der Gegenüberseite die Basisfarben stärker zum Vorschein kommen. Alternativ kannst du auch einen Center Swipe machen, indem du die Deckfarbe in der Mitte anstatt an der Seite aufträgst und dann jeweils beidseitig nach aussen hin wischst. Wirkt die Deckfarbe zu stark oder gefällt das Ergebnis noch nicht, kannst du gut stellenweise oder über die ganze Fläche erneut wischen. Streichen in die Gegenrichtung hilft ausserdem die dominierende Deckfarbe abzudämpfen.

Als Hilfsmittel eignen sich alle möglichen flachen Gegenstände wie Tortenheber, Malmesser, dicke Plastikfolie, Yupo Papier, Karton oder befeuchtetes Haushaltspapier. Sinnvoll ist hierbei darauf zu achten, dass das Hilfsmittel die ganze Seite der Maloberfläche abdeckt. So dass die Deckfarbe mit einem Zug über das ganze Bild gezogen werden kann. Ein Stilmittel hierbei ist auch mit nur kleinem Werkzeug einzelne Linien gezielt hinein zu ziehen.

Air Swipe – Lufttechnik

Beim Air Swipe wird mit Hilfe von Luft die Farbe verteilt. Hierzu eignet sich insbesondere ein Föhn mit dem grosse Farbmengen breitfächrig über die Leinwand geblasen werden. Die Übergänge der Farben sind durch das Hilfsmittel Luft viel zarter und es entstehen rauchähnliche Strukturen. Um die Luft ganz gezielt einzusetzen eignet sich ein Strohhalm. Dieser ermöglicht feine kontrollierte Verlaufslinien. Doch auch das Blasen der Farbe direkt mit dem Mund bietet gute Möglichkeiten. Wer mit Airbrush Werkzeugen ausgestattet ist, kann natürlich auch darauf zurückgreifen. Da diese Technik sich besonders durch das rauchige Aussehen auszeichnet, ist es sehr interessant hier auch mit einem grossen Negativraum zu arbeiten und beispielsweise einen eher kleineren Dirty Cup in Kombination zu verwenden.

Ausarbeiten

Mit verschiedenen Tools wie dem Rührstab, einem Stück Karton, Pinselstiel oder was dir sonst passend erscheint, hast du die Möglichkeit einzelne Strukturen ins Bild hineinzuziehen. Formen auszuarbeiten oder Farbe gezielt zu transportieren.

Stellen die dir nicht gefallen, kannst du einfach vom Bild runterwischen und mit neuer Farbe ersetzen. Langweiligeren Stellen kannst du gezielt etwas Farbe hinzufügen, sei dies mit einem kleinen Dirty Pour und gezielten einzelnen Farbgüssen.

Solange die Farbe noch gut fliesst werden neu verarbeitete Stellen sich gut mit der bereits bestehenden Farbe verbinden und du wirst keine aufgesetzten Farbstellen erhalten.

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